experimental documentary / 20:50 min / 2005-2006

“While living in New York in 2005/2006, Coney Island became my personal retreat. A place where I could find strength and inspiration or just distraction before returning to the overwhelming city of Manhattan. In my numerous visits during different seasons and time of day I took a camera with me to make short sketches which then became the basis of this film. I was mostly interested in the Off-Season (low season) when the fun fair and all the rides were closed and the beaches empty. Only then I really became aware of the historical meaning and weirdness of this place.

Coney Island´s unbelievable and impressive history is still visible these days. On the pier the poorest of the poor live and fish and in the dark allys behind the fun rides one can still buy weapons and drugs. During the summer month this is hardly visible for tourists, being distracted by those colored lamps, Hot Dog and Burger Shops, roller coasters and freak shows, so that one gets the feeling of a normal bathing resort. However, in winter the sad emptiness of this former “No Go area” and the workers who scantily repair the park trying to keep it in reasonable condition, are the only ones left.
Nowadays strange entertainment shows and artists slowly return to Coney Island. For them it´s a tolerant place, with options and possibilities.
Overpopulation and emptiness alternate like money and poverty, fresh color and weather erosion, blinking lights and grey everyday life.

In my film I am trying to show the changes and inconsistancy of this place focussing on the Off-Season and a typical night during main season. Not only the portrait of a place, but also a study about the people in Coney Island and therefore about american culture in general originates. Tourists and locals, homeless, children, sportsmen, illegal and legal immigrants appear like actors in a film about the human highs and lows.” (Stephane Leonard 2007)

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german:

“Während ich 2005 / 2006 in New York lebte, war Coney Island für mich ein Rückzugsort an dem ich Kraft und Inspiration auftanken konnte oder einfach nur nach Zerstreuung suchte, um wenig später wieder zwischen den Hochhäusern Manhattans abzutauchen. Bei meinen zahlreichen Besuchen zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten nahm ich stets eine Kamera mit und fertigte kurze Skizzen an, welche die Grundlage dieses Films bilden. Am meisten interessierte mich hierbei die Off-Season (Nebensaison), wenn der Vergnügungspark geschlossen und die Strände verlassen waren. Erst dann wurden einem die geschichtliche Bedeutung und Skurrilität dieses Ortes wirklich bewusst.

Coney Islands unglaubliche und eindrucksvolle Geschichte ist auch heute noch ganz deutlich spürbar. Auf dem Pier leben und fischen die Ärmsten der Armen und in den dunklen Gassen hinter den Karussells kann man noch immer Waffen und Drogen kaufen. Im Sommer ist dies für die Touristen, zwischen all den bunten Lampen, Hot Dog und Burgerläden, Achterbahnen und Freakshows kaum sichtbar, sodass man das Gefühl von einem herkömmlichen Badeort vermittelt bekommt, doch gerade im Winter sind das triste Unwohlsein dieser ehemaligen „No-Go-Area“ und die Arbeiter, die den Park notdürftig reparieren und instand halten, das Einzige was übrig bleibt.
In den letzten Jahren siedelten sich wieder vermehrt Schausteller und Künstler in Coney Island an. Sie fanden dort einen toleranten Ort, der eine gewisse Narrenfreiheit im sonst so konservativen Amerika zuließ, und lebten diese in ihren Shows aus.
Im Laufe von beinahe 200 Jahren durchlief Coney Island mehrfach eine Art sozialen Kreislauf – ein Kreislauf, der im Kleinen auch von Saison zu Saison stattfindet. Überbevölkerung und Leere wechseln sich genauso ab wie Geld und Armut, frische Farbe und Wettererosion, bunte Lichter und grauer Alltag. Von einem Hoch rutschte Coney Island direkt ins nächste Tief – von einem beliebten Freizeitpark und Badeort in einen verzweifelten dunklen Ort.

In meinem Film versuche ich die Wechsel- und Wandelbarkeit dieser unwirklichen Gegend einzufangen, wobei ich mich verstärkt auf die Off-Season und eine typische Nacht in der Hauptsaison konzentriere. Dabei entsteht nicht nur das Porträt eines besonderen Ortes, sondern gleichzeitig eine Studie über die Menschen in Coney Island und somit auch über die Amerikaner an sich –Zitat: „Wenn Paris Frankreich ist, dann ist Coney Island von Juni bis September die ganze Welt.“ (George C. Tilyou, Erbauer des Steeplechase Parks in Coney Island).
Touristen und Einheimische, Obdachlose, Kinder, Sportler, illegale und legale Immigranten treten auf wie Akteure in einem Film über die menschlichen Hochs und Tiefs.
Ich habe versucht Coney Island noch einmal zum Leben zu erwecken, die Konfrontation mit den menschlichen Schicksalen spürbar zu machen, zwischen der Leere und dem bunten Treiben einer Burlesqueshow, zwischen Farben und Bildern in einer freundlich unheimlichen Soundkulisse zu wandeln.” (Stephane Leonard 2007)

Kurze Geschichte:
Einst ein Magnet für wohlhabende Sommerfrischler aus New York und heute ein sich aus der Asche der Zer- und Verstörung langsam wieder erholender Melting Pot für die unterschiedlichsten Menschen. Nachdem Coney Island im 19. Jahrhundert von korrupten Politikern, Banditen und windigen Geschäftsleuten heruntergewirtschaftet wurde und sich zunehmend Prostitution und illegales Glücksspiel ausbreiteten, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Coney Islands Ruf als Seebad erst einmal zerstört. 1917 z.B. arbeitete Al Capone in Coney Island und 1931 wurde Joe Masseria, ein berühmter Gangsterboss, dort in einem Restaurant erschossen. Zur gleichen Zeit fing man an sich auf die neuen Besucher aus der Mittel- und Unterschicht einzustellen und begann diverse Karussells und Achterbahnen zu errichten, wobei diese oft aus angekauften Resten der Weltausstellungen gebaut wurden. Dabei entstand bis zur Erbauung von Disneyland der weltweit größte Vergnügungspark. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Zweiten Weltkrieg brach der Besucherstrom schließlich ab und übrig blieb eine Art Geisterstadt, sodass die Stadtplaner entschieden diesen abgelegenen Zipfel von Brooklyn den Einwanderern, den Armen, den Kranken und den Freaks zu überlassen und mit sozialen Wohnblocks (Plattenbauten) zu zubetonieren. Straßenkriminalität, Verbrechen und Jugendgangs regierten in den 60igern die Strassen von Coney Island (siehe den Film: The Warriors). Erst in den 80ern ging es langsam bergauf und Coney Island wurde wieder Besucherfreundlicher.