Saturday March 21st 2026 at 7pm opens:
ICONS
(Altarbilder)

@ RAUM 404 // Bremen

kulturbuero-bremen.de/icons-altarbilder

Über die Entsprachlichung der Welt und das Zeichnen des Unsichtbaren

In „ICONS“ lädt der Zeichner Stephane Leonard dazu ein, die Grenzen zwischen Sichtbarem und Unsagbarem zu erkunden. Inspiriert von der Ikonenmalerei eröffnet Leonard einen Bildraum, in dem vor allem Sprache zerlegt, neu komponiert und schließlich in reine Zeichnung transformiert wird. Inspiriert von literarischen Dekonstruktionen à la Antonin Artaud, Samuel Beckett oder James Joyce, hinterfragt er die lineare Logik der Worte: Buchstaben lösen sich von ihrer semantischen Pflicht, Schrift mutiert zu Textur, Lesbares wird kryptisch, Bedeutung verläuft sich ins Zwielicht.

Der Begriff „Icon“ trägt in Leonards Arbeiten dabei eine doppelte Resonanz. Historisch ist die Ikone ein Fenster zum Göttlichen – Leonard´s Aufmerksamkeit haben allerdings vor allem die Zeichen und Schriften in den Bildern geweckt – stilisierte, kaum lesbare Hieroglyphen, die das Heilige und die Kommunikation zwischen verschiedenen Instanzen nur andeuten. Heute ist das Icon zugleich ein digitales Kürzel, ein App-Icon oder ein kleines Bild, das auf komplexe Inhalte in verdichteter Form verweist. Leonard verortet seine Arbeiten genau in diesem Spannungsfeld zwischen sakraler Andeutung und profaner Funktionalität, ohne dabei ins Religiöse abzudriften. Es geht ihm um die Andeutungen und das Unsichtbare hinter den Zeichen.

Leonard verwebt diesen philosophisch-historischen Unterbau subtil mit Popkultur und Gegenwart. Wer genau hinsieht, entdeckt Fragmente von Liedtexten, Literaturzitaten und Referenzen zu Künstler:innen wie Charli XCX, Sufjan Stevens oder FKA Twigs eingebettet in ein visuelles Geflecht aus leserlichen und unleserlichen Zeichen, die an Graffiti-Tags, Kurzschriften, aber auch Inschriften in Altarbilder erinnern. Schrift entsteht nicht als Informationsmedium, sondern als offener Raum der Empfindung: Bedeutung wird nicht vorgegeben, sie entsteht im Betrachter. Wie in spätmittelalterlichen Altarbildern und orthodoxen Ikonen schafft diese Fragmentierung Resonanz und Leerstellen, die emotionale Tiefe und kulturelle Identität freilegen.

„ICONS“ ist eine Ausstellung über das Verschwinden der Eindeutigkeit. Sie zeigt, dass dort, wo Sprache endet und verzerrt wird, der Raum für das beginnt, was man nicht sieht, bestenfalls jedoch empfindet.